Die Lichter gehen aus – Konsumgenossenschaft schließt Filiale in der Hofer Straße, Reudnitz.

Der ehemalige Konsum Hofer Straße in Reudnitz, am Tag.
Der ehemalige Konsum Hofer Straße in Reudnitz, am Tag.

Eine Woche vor Weihnachten 2019 erhielten die Mitarbeiter die schreckliche Nachricht: ihr Arbeitsplatz, die Verkaufsstelle des Konsum in der Hoferstraße / Kurt-Günther-Straße, wird zum 31.1.2020 geschlossen. Die Gewinne, des über 60 Jahre bestehenden Geschäftes ließen keine Wahl, so bescheinigt es der Vorstand. 

Damit verlieren die Anwohner, inmitten der Meyer´schen Häuser in Reudnitz, ihre einzige Naheinkaufsmöglichkeit.  
Die Mitarbeiter und Kunden sind fassungslos. Unter Tränen schildert eine Verkäuferin, dass es ihr nicht möglich sei, den treuen und zum Teil sehr alten und gebrechlichen Kunden diese Entscheidung zu vermitteln. Sie erzählt von einer sehbehinderten Kundin, die ihren Einkauf nur noch mit Hilfe der Mitarbeiter bewältigt: “Sie ist fast blind. Wir gehen mit ihr durch unseren Konsum und an der Kasse reicht sie uns ihr Portemonnaie, weil sie das Geld selbst nicht mehr abzählen kann. Das ist ein jahrzehntelang gewachsenes Vertrauensverhältnis. Das alles zählt nicht mehr.”

Konsum Hofer Straße Reudnitz Kurt-Günther-Straße 1
„Wir müssen schließen“, sagt der Vorstand der Konsumgenossenschaft

626 potentielle Kunden sind nicht genug? – Nahversorgung VS Gewinn

Mit einer Unterschriftensammlung versuchten die Anwohner die Schließung abzuwenden. 626 Menschen haben sich für den Erhalt des Konsums stark gemacht. Aber der Vorstand der Konsum Leipzig eG blieb hart: Geschäfte unter 100m² Verkaufsfläche wären einfach nicht rentabel, so seine Sicht auf das Geschäft. Gleichzeitig rühmt sich die Konsum eG auf seiner Webseite damit auch 2019 Rekordumsätze zu verbuchen und soziale Projekte zu unterstützen – ergo sich für die Menschen, über den bloßen Verkauf hinaus, einzusetzen. Für Mitarbeiter und Kunden ist dies ein Widerspruch zur Schließung der Verkaufsstelle: zu jeder Tageszeit findet sich hier reichlich Kundschaft ein und auch die Einrichtung der Immobilie ist längst bezahlt und abgeschrieben.

Mehr als nur Einkaufen

Ein Besuch im Konsum Hofer Straße war immer mehr als hektisches Einkaufen. Meistens blieb Zeit für ein liebevolles Gespräch. Die Belegschaft und die Kunden kennen sich teilweise seit Jahrzehnten und manchmal sind sie sogar per Du. Das wird weder bei Aldi, noch bei Rewe oder Norma jemals möglich sein. In diesen Geschäften arbeiten die Beschäftigten immer hart an der Belastungsgrenze, da ist keine Zeit für einen Plausch. 

Wo gehen wir jetzt einkaufen?

Die Supermärkte der Konkurrenz sind mindestens 500m weit entfernt. Hin und zurück also ein Kilometer. Für viele älteren Kunden sind sie aus gesundheitlichen Gründen schlichtweg unerreichbar. Der nächstgelegene Konsum in der Schönbachstraße ist nicht einmal Barriere frei zu betreten und kaum größer als die Filiale, die jetzt „auf Grund ihrer zu geringen Verkausfläche“ geschlossen wird.

“Der Konsum lässt Menschen im Stich, die hier teilweise ihr Leben lang Kunden und oftmals sogar Mitglied in der Konsumgenossenschaft sind”, so eine Mitarbeiterin. 

Die Lichter gehen aus

Trotz der treuen Kundschaft und unbeachtet deren Initiativen und der Unterschriftenliste mit 626 Zeichnern, gehen am 31.1.2020 um 20 Uhr im Geschäft endgültig die Lichter aus. Was anschließend mit der Immobilie geschieht ist bisher noch nicht bekannt. Die Angestellten werden zum Teil in die Filiale an der Schönbachstraße am Stötteritzer Bahnhof versetzt. Außerdem soll bald ein neuer Konsum am Studentenwohnheim Prager Straße / Mühlstraße eröffnen. Dass der Auf- und Ausbau neuer Geschäfte zuerst einmal viel Geld kostet, ist kein Geheimnis. Ob sie sich rentieren wird sich erst beweisen müssen.

Der ehemalige Konsum Hofer Straße in Reudnitz, am Abend.
Der ehemalige Konsum Hofer Straße in Reudnitz, am Abend.

“Wo ein Wille ist, da ist auch Weg”, heißt ein Sprichwort. Die Konsumgesellschaft aber setzt sich Gewinnziele, die nicht mit dem Erhalt von kleinen Geschäften, die der Nahversorgung ihrer Kunden gerecht wird, vereinbaren lässt.

Trauerfeier zum Ladenschluss

Wer sich vom Konsum und seinen Mitarbeitern verabschieden möchte, bekommt am letzten Verkaufstag die Gelegenheit dazu: auf Facebook wird dazu aufgerufen, sich 16:30 Uhr mit Kerzen und Blumen zu einer “Trauerveranstaltung” an der Verkaufsstelle einzufinden, um Lebewohl zu sagen, ein letztes Mal durch die Regale zu schlendern und Erinnerungen an viele schönen Momente in „uns’rem Konsum“ zu teilen.

Sicher ist diese Veranstaltung aber auch eine Gelegenheit, um ein Zeichen in Richtung der Konsumgenossenschaft zu senden, dass man mit ihrer Entscheidung alles andere als einverstanden ist.

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