Wir lungern herum in Connewitz

Nachts am Kreuz in Connewitz.

Wir lungern herum, am Connewitzer Kreuz.

Gestern Nacht saß ich mit Christoph am Kreuz. Er war vor zwei Jahren weggezogen, von Leipzig nach Berlin und nun zum ersten Mal für ein paar Tage heimgekommen, zurück nach Connewitz. Wir verstanden uns, als sei er niemals weg gewesen.

Während wir auf mitgebrachten Campingstühlen lungerten, gehüllt in einer Wolke feinsten Marihuanas, uns alte Kamellen um die Ohren warfen, fuhren die Connewitz Cops vorrüber.

Sehr langsam. Ich erzählte Christoph von den Dingen, die sich während seiner Abwesenheit im Stadtteil geändert hatten. Ich erzähle ihm von hässlichen Stadthäusern, die wie Giftpilze aus dem Boden schießen, vom Bolzplatz, der nach vielen Jahren nun endlich gebaut wird (“Direkt hinter uns!”), vom neuen Polizeipfosten und den “Satire” Demos. Die Demos fand er natürlich genial und als wir uns die Fotos und Sprüche anschauten, kippte er vor Amüsement aus seinem Stuhl.

Irgendwann schaute mich Christoph an und fragte nach unserem Plan. Seine Zeit in Connewitz sei begrenzt und er würde sie gern sinnvoll nutzen. Sinnvoll? Also schauten wir uns den Polizeipfosten an. Trotz der Fensterfolie ließ sich nachts jede Bewegung im Inneren erfassen. Auf der Tasche eines Beamten, die direkt im Fenster abgelegt war, klebte ein Aufkleber “Held der Arbeit”. “Die biedern sich aber an!” witzelte ich. An der Straße stand, bei laufendem Motor, ein VW Bus, eine weitere Wanne stand auf dem Netto-Parkplatz. Wir waren uns einig, dass es im Moment unsinnig ist hier vor Ort irgendeine Aktion zu starten. “Natürlich halten die nicht durch.”, orakelte Christoph. “Bald lassen Personalkosten die Bewachung nicht mehr rechtfertigen. Dann ist der Polizeiposten nachts nackig und dann wird es lustig. Verfickte Kapitalisten.” Ich nickte und kicherte. Auf den Spaß warten hier alle.

Wir ließen die Nacht vorm „neuen“ Lazy Dog ausklingen. Christoph trank nicht mehr, das hatte er sich abgewöhnt. “Wer braucht schon Alkohol, wenn es gutes Gras gibt?”, frohlockte einer, der sich fast tot gesoffen hatte. Aber heute sah er gut aus. Fast so, als hätte ihm die Zeit die er weit weg von Leipzig verbrachte, richtig gut getan.

Ich freute mich für ihn und wenig später schliefen wir zugedröhnt auf meiner Couch ein…

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